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Festival für Spielräume der Öffentlichkeit

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Die Playpublik

Herzlich willkommen auf den unsichtbaren Spielplätzen deiner Stadt! Wir schleichen uns von Router zu Router, setzen Pflanzen um und ernten Farben. Wir hacken Mailboxen, lernen, wie man Zombie wird, simulieren Nuklearkrieg mit Tennisbällen. Wir holen uns die Sterne und entdecken neue moralische Gesetze in uns. Gemeinsam stellen wir die letzten Minuten vor der Katastrophe nach – und sehen uns aus Sicht der Kameras. Tun wir nur so, als würden wir tanzen? Wir sind die PLAYPUBLIK.

PLAYPUBLIK fragt von Berlin aus nach der Bedeutung öffentlicher Spielräume für urbane Gesellschaften: von den digital durchkommerzialisierten Städten westlicher Demokratien zu neuen postsozialistischen Räumen in Budapest; von Jo’burg nach der Apartheid hin zu Straßenspielen im Athen der Krise. Es geht um Systeme im Umbruch und unseren Platz in ihnen. Nicht um ,das System‘. Sondern um die vielen kleinen, die Alltagsleben strukturieren, indem sie Hoffnungen und Ängste transformieren. Spiele zu erfinden, zu testen und zu diskutieren schärft hierfür mehr denn je den Blick.

Das Festival gliedert sich in vier thematische Ebenen: Erdungen, Verortung und Kontrolle, Politik der Selbst/Organisation, Fiktionen und Realitäten. An jedem Tag steht eine Ebene im Fokus und hebt mit Spielen, Workshops, Vorträgen und Gesprächen einen Aspekt des komplexen Verhältnisses von Gameplay und Öffentlichkeit hervor.

Ebene 1: Erdungen

Trotz ihrer zunehmenden Einwebung in die weltumspannenden Geflechte von Technologie und Medien bewahren urbane Landschaften eine besondere Faszination für Designer, Künstler – und für Spieler. Wenn wir von unseren Bildschirmen aufblicken und unsere Körper ins Spiel mit der beruhigend wuchernden Materialität der Stadt bringen, feiern wir darin ein nostalgische Gefühl als Ausgleich für ein zunehmend digitales Nomadentum? Das Gefühl, uns wirklich im Hier und Jetzt, an echten Orten erden zu können? Oder macht es einfach nur Spaß, ein vergessenes Gebiet wiederzuentdecken und neu für sich zu beanspruchen? Unbeachtet der Gründe: Was sind die politischen Implikationen von Design und Spiel in urbanem Terrain?

Ebene 2: Verortung und Kontrolle

Städte sind zu hochkomplexen Ensembles aus Menschen, Dingen, Medien, digitalen und physikalischen Infrastrukturen geworden. Diese Entwicklung eröffnet neue Herausforderungen und Möglichkeiten der Regierung. Denn dieselbe Technologie, die uns jederzeit und überall Orientierung und Kommunikation ermöglicht, hinterlässt en passant Spuren, die von Firmen und Verwaltungen verwendet werden, um unser Verhalten immer genauer zu verfolgen. Spielerisch mit solchen Daten und den dazugehörenden Technologien umzugehen ist eine faszinierende Art, individuelle und kollektive Freiräume zu aktualisieren – gleichzeitig sind Spiele ein hocheffektives Tool, um unsere Leben zu tracken.

Ebene 3: Politik der Selbst/Organisation

Bürger westlicher Demokratien sind mit der basalen Herausforderung konfrontiert, sich in den weit gefassten sozialen Freiheitsgraden verhalten zu müssen, die sich über die letzten Jahrhunderte für sie ergeben haben. In lose regulierten ökonomischen Systemen müssen wir die Beziehungen, die wir eingehen, und die Positionen, die wir einnehmen (von Freundschaft zu Geschäften, von Liebe zu Politik), permanent re-evaluieren. In Spielen probieren wir alte und neue Wege aus, diese zu organisieren und lernen dabei die in verschiedenen Systemen inhärenten Machtstrukturen kennen. Kann Gameplay in der Öffentlichkeit uns helfen, herauszufinden, wie wir im geteilten Raum der Stadt alleine und zusammen leben wollen? Und kann es in weniger liberalen Gesellschaften helfen, individuelle und kollektive Freiheitsgrade zu erweitern?

Ebene 4: Fiktionen und Realitäten

Spiele in öffentlichen Räumen haben den merkwürdigen Effekt, bisher wenig beachtete Realitätsebenen in den Fokus zu rücken und gleichzeitig zu demonstrieren, wie andere – phantastische – Versionen derselben Realität aussehen und sich anfühlen könnten. Wie kommen verschiedene Arten von Realität (sozial, politisch, historisch, biologisch, technisch) ins Spiel und wie transformieren oder stabilisieren gespielte Phantasien und Fiktionen Gesellschaften?

Wir wünschen einen guten Aufenthalt in der PLAYPUBLIK!
Invisible Playground und das gesamte Festival-Team