Festival für Spielräume der Öffentlichkeit

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Topographien öffentlicher Räume

Die Geschichte der europäischen Stadt ist eng mit dem Konzept von öffentlichem verbunden. Begriffe wie agora, urbs und civis sind Bestandteil des gesellschaftlichen Denkens und gleichzeitig auch eines kulturellen sowie planerischen Verständnisses des Städtischen. Dieses Erbe lässt sich neuerdings in lebendigen medialen Diskursen nachspüren – ob zum „Verschwinden“ des öffentlichen Raums aufgrund steigender Privatisierung, zu dessen Kommerzialisierung durch zunehmende Vermarktung oder aber „Blüte“ durch Virtualisierung. Betrachtet man diese Diskurse, so entsteht der Eindruck, dass öffentlicher Raum als agora, als modernes Forum, bis heute noch mit Repräsentationen gelebter direkter Demokratie einhergeht. Diese den politischen und sozialen Charakter des öffentlichen Raums betonenden Imaginationen spiegeln tradierte Theorien von Öffentlichkeit wieder und bilden eine europäische Mythos, die weltweit auf konkrete städtische Prozesse übertragen und teils ohne Rücksicht auf kontextuelle Eigenarten und Bedürfnisse durchgesetzt wird. Sie erscheinen indessen als problematisch, insofern als dass sie übersehen, dass der Begriff „öffentlicher Raum“ über seine lange Geschichte hinweg immer auch mit Fragen nach und Aufforderungen zudem Zugang zu bestimmten städtischen Räumen und schließlich Ressourcen verbunden war. In unserem Gespräch würden wir genau diese Vielfältigkeit des öffentlichen Raumes thematisieren und diskutieren.

Deutsch

Format: Gespräch

  • Donnerstag, 09.08.2012 18:00 – 19:00

Heike Oevermann (DE)

www.architecture-related.de

Heike Oevermann studierte an der TU Braunschweig und der ETSA Sevilla Architektur sowie an der BTU Cottbus World Heritage Studies. Nach langjähriger planerischer Tätigkeit legte sie 2001 ihren Arbeitsschwerpunkt auf die Auseinandersetzung mit dem städtischen Erbe. Sie war u. a. als Gastdozentin an der NABA Milano (2007/2008) tätig, lehrt an der HU und TU Berlin (seit 2009) und initiiert und organisiert Diskussionsformate gemeinam mit unterschiedlichen Akteuren. Ihr Thema ist die Stadt, ihre gesellschaftlichen Prozesse und Architekturen in Geschichte, Gegenwart und Zukunft. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Georog Simmel - Zentrum für Metropolenforschung (GSZ) der HU Berlin untersucht sie in ihrem derzeitigen DFG Forschungsprojekt auf europäischer Ebene Transformationsprozesse umzunutzender Industrieareale, die durch Kulturerbe und Kreativwirtschaft realisiert werden.

Eszter B. Gantner (DE)

Dr. Eszter B. Gantner hat Jura, Geschichtswissenschaft und Politikwissenschaft in Budapest, Jerusalem, Potsdam und Berlin studiert. Sie war Promotionsstipentiatin der Heinrich-Böll Stiftung. Ihre Dissertation hat sie im Bereich Wissenschaftsgeschichte an der Humboldt Universität zu Berlin geschrieben, die 2011 mit dem Titel: "Budapest-Berlin": Die Koordinaten einer Emigration 1919-1933 erschienen ist. Zwischen 2004-2008 arbeitete sie als Lecturer und Koordinatorin der Jüdischen Studien am Touro College Berlin. Seit 2004 unterrichtet sie an der ELTE Universität in Budapest, wo sie zwischen 2008-2010 Mitbegründerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin des "Center for Central European German-Jewish Culture" war. Seit 2010 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin und Leiterin des Stadtlabors am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt Universität zu Berlin. Forschungsschwerpunkte: Urbane Kultur/Räume in Mitteleuropa, Geschichte Mitteleuropas nach 1945, Migration und Kulturtransfer, Jüdische Räume nach 1945; aktuelles Forschungsprojekt: Jüdische Räume

Stefanie Hennecke (DE)

www.gtla.ar.tum.de

Stefanie Hennecke ist seit Herbst 2010 Juniorprofessorin für Geschichte und Theorie der Landschaftsarchitektur an der Technischen Universität München. Sie studierte Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung und war wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität der Künste Berlin am Fachgebiet für Gartenkultur und Freiraumentwicklung. Dort promovierte sie im Jahr 2009 zur Stadtentwicklungspolitik im Berlin der Nachwendezeit. Ihre aktuellen Forschungsschwerpunkte sind die Entwicklung und Veränderung von Stadtparkanlagen im internationalen Vergleich und Aneignungsstrategien im öffentlichen Raum des 21. Jahrhunderts.

Jörg Niehwöhner (DE)

Dr. Jörg Niehwöhner ist seit Oktober 2010 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Koordinator des Labors Sozialanthropologische Wissenschafts- und Technikforschung am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Arbeit befasst sich hauptsächlich mit den verschiedenen Formen, Körper in urbanen Räumen zu behandeln. Dies beinhaltet ethnographische Forschung in peripheren urbanen Milieus, medizinischer Praxis und lebenswissenschaftlicher Forschung. Sein Ziel ist es, praxisorientierte Anthropologie und Biomedizin miteinander in Kontakt zu bringen, um die vielfältigen Verschränkungen von Differenz und körpernahen Praxen besser zu verstehen. Forschungsschwerpunkte: Ethnographische Wissenschaftsforschung, Medizinanthropologie und Stadtforschung; aktuelle Forschungsprojekte: Präventives Selbst, C:SL collaboratory: social anthropology & lifesciences